Mittwoch, November 29, 2006

Demokratie - und wohin sich der Tanker bewegt

Wahrscheinlich trügt die Erwartung nicht. Die Ergebnisse der Deutschen Politik lassen den Bürger in Resignation versinken. Gleichwohl - können wir eine tatsächliche, große Veränderung erwarten?
Wir sind einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten der Welt. Unser Wohlstand indes kommt uns eher gewöhnlich vor - was ja bekanntlich von "gewohnt" kommt. Im Internationalen Vergleich, noch mehr aber im Vergleich mit der Vergangenheit leben wir heute alle im Geldspeicher von Dagobert Duck. Wir sind es "gewohnt", dass unsere Gesundheit in bester Kontrolle ist, dass unsere Kinder in einen quersubventionierten Kindergarten gehen und eine (nach Pisa zwar schlechte, aber immerhin) umfassende Ausbildung erhalten. Der Tatbestand der permanenten Quersubventionierung ist uns ein Lieber - leider haben wir überwiegend nicht die Spur einer Ahnung, woher der Euro kommt.
Im Internationalen Geschehen haben sich jetzt die Regeln verändert. In Indien, China und Brasilien leben Milliarden von Menschen, die jeden Tag um ihr Leben kämpfen. Sie sind hochmotiviert, ihren Lebensstandard zu verbessern. Sie wohnen in keinem schönen, ererbten Haus und haben nichts zu verlieren - aber die Welt zu gewinnen. Sie sind räumlich flexibel und verdingen sich, wo immer sie Arbeit erhalten. Ihre Motivation ist das tägliche Überleben und ihr Überleben ein Kampf. Unsere Rezepte von Sozial und Konform gelten dort nichts - ausschließlich im Bereich des Augenblicks.
Diese Staaten sind uns in ihrer Kopfzahl massiv überlegen. In einem ersten Schritt haben sie uns fast alle Produktionstätigkeiten abgenommen - die ja hier vermeindlich zu teuer zu erbringen sind. Über die Produktion lernen sie von uns die Konstruktion. Über die Erkenntnis kommt der Wunsch nach Konsum. In Kürze werden diese Staaten ihren eigenen, massiven Binnenmarkt erschaffen und damit vom Export in die alten Wohlstandsländer tendentiell unabhängiger werden.
Unser (gefühlter) Wohlstand beruht auf drei Säulen. Der "Billigarbeit" in den Ländern der Dritten Welt ist ein Aspekt. Zweitens den vielen Hebeln, die heute jeden unserer (manuellen) Handgriffe verstärken. Der Bagger schafft eben mehr als der Mann mit der Schaufel - das gilt übrigens auch für alle anderen Tätigkeiten, angefangen von der Buchhaltung bis zur Computerindustrie. Und Drittens dem Export unserer Leistung in andere Länder.
Vor allem in dem letzten Punkt liegt Sprengstoff. Was, wenn andere Länder unsere Produkte nicht mehr kaufen? Die Ursachen liegen in bereits Gesagtem. Unsere Produkte werden nur noch zu Teilen in Deutschland gefertigt. Wesentliche Zulieferer liegen längst in anderen Ländern. Und - unser Export hängt in starkem Maße vom Dollar ab. Die amerikanische Notenbank wiederum veröffentlich schameshalber schon seit Längerem ihre Geldvermehrungsquote nicht mehr. Noch haben die meisten exportorientierten Länder wenig "Lust", den Dollar abgewertet zu sehen. Aber was passiert, falls das passiert? Unser Export bricht zusammen und wir können sehr kurzfristig nur noch den EU - Binnenmarkt beliefern. Außereuropäische Staaten werden für uns umso schwerer erreichbar, als dass ein anerkanntes Geldäquivalent kurzfristig fehlt. Wann und wie dieser Markt sich anschließend stabilisiert sei dahingestellt.
Szenenwechsel: Unser Staat und Konsum (Umverteilung, Rente, Arbeitslosenversorgung etc.) ist ein teurer Luxus. Wir bezahlen ihn nachhaltig mit der Umverteilung von Morgen auf Heute und schmälern die Chancen unserer Kinder. Eine Schwächung unserer Wirtschaft wird zwangsläufig zu einem Bankrott unseres Staatssystems einhergehen. Das anerkannte Mittel zum Gegensteuern ist die Inflation - viele Länder haben damit mehr Erfahrung als wir Deutschen. Inflation führt zwangsläufig zu einem Vermögensverlust im Mittelstand, der den real geglaubten Wert seines Geldes dahinschwinden sieht. Nun liegt aber das Geldmonopol nicht mehr in Deutschland, sondern in der EU. Was also mag kommen?
Wir wissen in jedem Fall, dass die Menschen sich wieder mehr Sorgen um ihr tägliches Leben machen werden. Der Verdruss am politischen Geschäft wird nachlassen und die regionale Mitsprache und Märkte werden wieder viele Menschen beschäftigen. Wir sollten darauf vorbereitet sein.
www.ProTestNote.de ist ein Weg, die regionale Mitbestimmung der Basis zu ordnen und zu strukturieren. Lassen Sie uns unsere Region wieder selber gestalten.

1 Kommentar:

Helmut P. Krause hat gesagt…

> www.ProTestNote.de ist ein Weg, die regionale Mitbestimmung der Basis zu ordnen und zu strukturieren. Lassen Sie uns unsere Region wieder selber gestalten.

Klasse!

Meine Unterstützung haben Sie.

Herzliche Grüße

Helmut Krause

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